Mittwoch, der 17. Juni 2015

Kulinarische Landkarte Österreichs „mau“

Noch viel Entwicklungspotenzial mit regionalen Genussprodukten

Wien (pte/17.06.2015/08:50) Österreichs „Kulinarische Landkarte“ ist von vielen weißen Flecken und Brachland geprägt, die Chancen für den heimischen Tourismus bleiben dadurch oft ungenützt. Viel Zeit, Arbeit und Geld gehen verloren, weil übergreifende Kommunikation nicht funktioniert und die Produkte beim Konsumenten nicht ankommen. Das ist das Fazit einer Diskussion des Travel Industry Clubs Austria, die am Dienstag abend im Wiener Hotel Le Meridien stattfand. Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen sollte die Ausbildung forciert und der Handel zur Verantwortung gezogen werden, forderten die anwesenden Experten. http://www.travelindustryclub.at

Albert Franz Stöckl, Autor der Studie „Kostbares Österreich“ am IMC Krems, verglich die aktuelle kulinarische Lage Österreichs mit Ländern wie Italien oder Frankreich, die jeweils allein über 400 kulinarische Regionen mit geschützter Herkunftsbezeichnung zählen, während die Alpenrepublik gerade mal auf 15 kommt. Die 114 Genuss Regionen Österreichs hätten in den vergangenen zehn Jahren gute Arbeit geleistet, änderten aber nichts an diesem eklatanten „Süd-Nord-Gefälle“, sagte Stöckl. Auch in der Außenwahrnehmung bei seinen deutschen Nachbarn spielt Österreich kulinarisch eine unbedeutende Rolle. http://www.kostbaresoesterreich.at/

Überraschend ist auch die Tatsache, dass kulinarische Hotspots in keiner Weise mit touristischen Hotspots korrellieren. Im Gegenteil – dort wo die meisten Touristen hinströmen, sei das kulinarische Niveau am geringsten, erklärte Stöckl. Aber es gibt Hoffnung: Der Kulinarik-Tourismus wächst beständig, sagte der Studiengangsleiter International Wine Business am IMC Krems, und insbesondere klimatisch verwöhnte Regionen wie etwa das Mostviertel, die Vulkanregion oder das Lavantal zeigten vor, dass man mit attraktiven regionalen Genussprodukten gutes Geschäft machen kann. http://www.fh-krems.ac.at/

Genussbauernhof für jede Genuss Region

Margareta Reichsthaler, Obfrau der Genuss Region Österreich, berichtete von den Anstrengungen, die Bedeutung regionaler Lebensmittel für die regionale Wertschöpfung und Kulturlandschaft bewusst zu machen. Ziel ihrer Organisation sei es, bis zum Jahr 2020 in jeder Genuss Region Österreichs einen „Genussbauernhof“ zu realisieren, um den Besuchern und Gästen die Möglichkeit zu bieten, „hinter die Kulissen zu schauen“. Für ihre Organisation gehe es um den sorgsamen Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt und um eine vernünftige Landwirtschaft, um Produktvielfalt und Vielfalt im Angebot. http://www.genuss-region.at/

Die Biobäuerin und Vermieterin Regina Stocker aus der Ramsau kritisierte das unwürdige Preis-Leistungs-Verhältnis für landwirtschaftliche Produkte wie Milch und Fleisch und machte die industrielle Agrar- und Lebensmittelwirtschaft sowie den Lebensmittelhandel für die Zunahme der Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten verantwortlich. „Kein Wunder, wenn dann alle vegan werden wollen.“ Sie plädierte für eine Rückbesinnung in der Ernährung und die Reduktion auf das was das Land saisonal und regional bietet: „Ein Schritt zurück kann auch Fortschritt sein, ein Spaziergang durch den eigenen Garten Freude und Zufriedenheit geben.“ http://www.leitenmueller.at/

Allianz gegen industrielle Agrarlobby

Franz Gruber, Geschäftsführer der Garten Tulln GmbH, erinnerte daran, dass der Besuch von Gärten nach dem Pilgertourismus eines der ältesten Freizeitmotive war. Die Inszenierung von Gärten begann mit „verschlungenen Gartenkabinetten zum Schmusen“ in der Barockzeit, in Österreich waren die Marchfeldschlösser, Laxenburg und Schönbrunn seit jeher beliebte Plätze für Ausschweifungen, heute sind sie touristische Magneten. Gruber forderte Landwirte und Touristiker in seinem Beitrag auf, kreativ und grenzüberschreitend zu denken und sich gegen die industrielle Agrarlobby zu verbünden, nicht zuletzt um die Ernährungssicherheit in Europa zu garantieren. Österreich sei schon heute Vorreiter im Schutz der Umwelt, Biolandwirtschaft und Artenvielfalt – wer weiß, wofür der Tourismus noch gut ist. http://www.diegartentulln.at/

Weitere Fotos von der Veranstaltung sind auf Fotodienst zum Download verfügbar.
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